Einarmiger Bandit auf Achterbahnfahrt…
Europa Cup in Elzach inkl. deutscher Meisterschaft der Parafahrer oder ein paar UCI Punkte eingefahren.




Freitagmittag los auf die Autobahn um in Elzach um 18.00 Uhr anzukommen. Von Ursula und Helge, fuhr mit bei RUK, begrüßt und das Wohnmobil hinterm Aktiv Hotel abgestellt. Da es noch schön und relativ warm(20C) war, Rad raus, Radklamotten an und ab auf die Piste.
Da fahrn wir doch mal die Bergzeitstrecke ab. Zuerst ging es relativ flach hoch(1-3%), bloß ruhig bleiben, ist ja noch kein Rennen. Nach ca. 6km rechts rum nach Schonach, hier ging es immer weiter bergauf(ca.3-6%). Im Wald wurde es dann doch merklich kühler, aber der doch reißende Bach, man sah dass es stark geregnet haben musste, lenkte einen ab. Bis 12km mussten die Handbiker fahren, mehr wäre auch bei denen nicht gegangen, da nach ca. 13-14km doch so eine 2km lange mittelmäßige Rampe(12%) im Wege stand. Danach ging es in Serpentinen immer noch hoch(6-8%). Endlich der Parkplatz, knapp eine Stunde ruhig gefahren. Mann o Mann, was wird das morgen geben. Zurück merkt man erst wie steil und wie schlecht die Strasse ist. Super Vorraussetzungen.In der Nacht fing es an zu regnen.

Am nächsten Morgen war die Temperatur im Keller bzw. bei ca.10C, die Stimmung bei den Teilnehmern beim Frühstück dementsprechend und es regnete weiter. Anmelden, Nummer bekommen (Interessant jetzt ist der Transponder auf der Rückseite der Nummer) und sich langsam vorbereiten.
Mist keine Regenjacke dabei und zum Warmfahren natürlich die Rolle vergessen, Klasse. Portion Nudeln eingeschmissen und Cola getrunken. Nun aber auf zum Start um sich auf der Strecke warm zu fahren. Wann nun richtig gestartet werden sollte konnte keiner so richtig sagen, ist ja eigentlich schon schön wenn man alles so auf die Macher schieben kann. Egal, mal 10km den Berg hoch und wieder runter, muss reichen. Kaum wieder unten ging es dann doch schon los. Puh, das war knapp.

Wenn man dann auf der Rampe steht bekommt man doch wackelige Knie. 10, 9 8, … 1, und los. Da es am Anfang nur mäßig Berg aufgeht konnte man schon so 35-38km/h treten, bloß nicht überziehen hörte ich uns noch so von gestern Abend reden. Der erste vor mir Gestartete tauchte vor mir auf, he falscher Film? Bin ich zu schnell? Vorbei, kurz danach der nächste. Läuft doch gut denke ich so bei mir und man wird magisch an den da vorne Fahrenden herangezogen. Dann lange Zeit nix mehr. Es wird steiler. Dann doch, aber leider von hinten, bei ca. Halbzeit der Strecke ganz langsam zieht einer an mir vorbei. Mal Versuchen ob man dran bleiben kann, schön versetzt und mit Abstand, wie es sich gehört! Klappt, die nächsten 3-4km gehen, die Pace stimmt. Was kommen muß ist das Steile Stück und ab da tuts doch weh. Der Abstand wird größer und ich trete nur noch meinen Tritt.
Immer mal wieder ein Blick nach vorne, Abstand schon mehr als 500m. Aber ist da vorne nicht noch einer? Adrenalin setzt sich frei, die Beine glühen und man sieht sich schon am Hinterrad des weiteren Vorausfahrenden. Das steile Stück ist zu Ende, die Serpentinen beginnen und man war doch bestimmt dem anderen näher gekommen. Ab in die nächste Kurve, Mensch, wo ist der, nix. Hat der jetzt auch noch einen zugelegt? Noch ne Kurve immer noch nix, langsam zweifelt man, wie weit ist es denn noch. Bloß nicht den Blick auf den Tacho. Endlich da links oben das Ziel, beinahe wäre ich doch glatt aus dem Sattel gegangen. Bloß jetzt treten, treten, treten. Muß schon sagen, dass die Kollegen, Angehörige und leider nur ein paar Zuschauer einen schon ganz gut anfeuern können. Die letzten Meter, das Ziel. 49min 27ter bei der Eurocupwertung 9. meiner Klasse.




Super geschlafen, ab zum Frühstück. Diesmal mit Eric und Pierre gefachsimpelt und was man noch so Touren fahren kann. Berichtete vom letzten Jahr Mailand – San Remo und Eric war davon ganz angetan, vielleicht nehmen wir das mal zusammen in Angriff. Nummern austauschen und den Zuständigen nochmals Bescheid gesagt das ich gestern in der falschen Gruppe war. Auch diesmal. Sollte mich aber einfach in meine richtige Gruppe stellen.

Wieder Nudeln, umgezogen und ab aufs Rad, warmfahren. Nochmals die Strecke von gestern, aber nur 12km hoch. Andere fuhren sich auch schon warm. Danach die berühmte Banane eingeschmissen, Cola getrunken, Camelbake bereit gemacht, Energieriegel/gel nicht vergessen(die hätte ich mir sparen können, kam gar nicht dazu). Strecke abfahren, kam gerade auf die Strecke als Pierre vorbeifuhr und hing mich einfach mal dran. Auf dem langen Stück(ca.1km) kam man ordentlich auf Tempo, trotz der holperigen ersten 500m. Links rum und direkt wieder links, man da muss man sich aber in die Kurve legen. 100m und schon gings wieder rechts rum, 50m links rum, ca. 200m rechts-links und man war auf der Hauptstrasse, die einseitig gesperrt war und ziemlich eng. Nach 300m links rum um 50m weiter rechts auf die Zielgerade zu kommen ca. 500m, ziemlich holperig und der Wind stand auch drauf. Nach Start/Ziel langgezogene Links-Rechtskurve um nach 50m links auf den Parkplatz, 3cm Kante, zu fliegen. Klitzekleine Auffahrt hoch zum Hotel und direkt am Haus des Gastes vorbei, kein Witz, runter, bloß nicht am Geländer der Schule hängenbleiben leichte Rechtskurve und dann die berühmte Regenrinne mit weiterer Rechtskurve, 20m absolute scharfe Linkskurve, hier wurden die Pedalen reihenweise geschliffen, und man war wieder auf der holperigem langen Stück. Tja 14 Kurven, wer hart sein will muss so was mal gefahren haben.

Start, stand schön mittendrin. Irgendeiner sagte los und los gings. Pedale eingeklickt und konnte direkt wieder ausklicken, da der vor mir Startende soviel Kraft im Schuh hatte das er direkt wieder aus der Pedale rutschte. Mist, da fuhren doch vielzuviele an mir vorbei. Bis ich wieder losfuhr, war ich schon fast am Ende des Feldes, na Großartig. Jetzt aber schnell ein paar überholt um wieder dran zu hechten. Kante, Parkplatz Auffahrt Abfahrt Regenrinne, rechtslinks und volle Kanne hochschalten um nur ja dran zu bleiben. Kurzer Blick auf den Tacho hallo 52-54. Prust, bloß im Windschatten bleiben. Das Feld war wie auf einer Perlenschnur langgezogen. Schon war das Ende erreicht runterschalten, volle Kanne in die Kurve und wieder in die nächste Kurve, wieder dransprinten. So ging das die erste Runde.
In der zweiten Runde hatte ich einen Schweizer vor mir, der ließ aber mittendrin auf der langen Geraden bei ca. 48km/h reißen, hallo was soll das denn. Versuchte noch an ihm vorbei um weiter bei der Gruppe zu bleiben. Aber klar 10m Abstand bei dem Tempo, schon bei den nächsten Kurven 30m und schon war es vorbei. Der Schweizer hing mir natürlich am Hinterrad, den hatte ich behalten. Am Start/Ziel rief dann auch noch der Betreuer ihm zu er sollte mich bloß halten, na das wird ja eine tolle Unterstützung sein.
Ich hoffte auf die nächste Gruppe, die 1min hinter uns gestartet war. Und nach 2/3 Runden kam sie auch schon, ließ sich dann aber von mir auf der langen Geraden bei so 44 schön ziehen. Am Ende der Strasse meinte nur der hinter mir Fahrende, „so jetzt lässt du uns aber schön vorbei und fährst schön rechts“. Danke schön.
Hängte mich der Gruppe hinten an und es lief eigentlich ganz Klasse, überlegte schon in meinem Größenwahn mal wieder nach vorne zu fahren und auch noch mal Tempo zu machen, liess es aber doch sein.

Zwischendurch überholte Radprofi Jiri Jezek uns (Unterschenkel amputiert, Sieger gestern und heute, fährt wirklich in einem Profiteam), keiner machte Anstalten ihm zu folgen, der kam irgendwie von einem anderen Stern.

Das Tempo legte wieder zu und in jeder Kurve wurde weiter angezogen. Eric und Meinewenigkeit mussten diesem dann doch Tribut zollen und ließen abreißen. Weitere Fahrer wurden von uns zwei überholt, wir wechselten jede Runde. Dann hatten wir auch zwei Frauen überholt, die aber unser Tempo halten konnten. So fuhren wir dann zu viert. Und schon kam die nächste Gruppe. Vorneweg das Führungsmotorrad, dass aber an uns nicht vorbeikam, da hier alles viel zu eng war. Man, war das ein Kuddelmuddel. Erst auf der Zielgeraden passte wieder alles. Ich wieder hintendran an der Gruppe. Jetzt weiss ich auch, wie dass ist wenn einer, hier die zweite Frau, nicht um Kurven herum kommt. Andauernd muss man hinterher springen/sprinten um wieder ranzukommen.

Von hinten wieder Fahrer, diesmal konnten sie nicht so ohne weiteres durchmarschieren. Die Gruppe blieb zusammen. Aber jetzt musste ich zusehen an der zweiten Frau vorbeizukommen um bei der Gruppe bleiben zu können. Genau in dem Augenblick wo ich ansetzte, setzte auch die Gruppe an und wieder flog das Feld auseinander. Man brannten meine Beine, eine halbe Runde kämpfte ich um den Anschluß. Rechts die Wade biss ordentlich zu. Krampf oder was. Wenn man dann denkt man ist dran, ließen Eric und die erste Frau Michaela Bitsch (Siegerin gestern und heute) reißen. So fuhren wir dann zu dritt unser eigenes Tempo weiter.




Immer schön abwechselnd hielten, wir tapfer das Tempo hoch um nicht noch mal überrundet zu werden. Letzte Runde für die Frauen, auf der Zielgeraden setzte Michaela an um über die Ziellinie zu sprinten, um ein schönes Zielfoto zu bekommen hielt ich mich zurück, auch ein Belgier, den wir überrundet hatten blieb hinter mir. Nur Eric meinte es wäre auch für uns die letzte Runde und sprintete mit und ließ dann auslaufen. Hallo Eric noch ne Runde, bloß nicht schlapp machen, brüllten wir ihn an.

Letztes mal Kante, rauf runter, rinne rechts links usw. und endlich das Ziel.

Wieder Platt, wieder kein Piep, bloss erstmal ganz kleine Gänge und weiter rollen, die Beine brüllen, wenn ich jetzt absteige falle ich um, trinken, locker werden. Rolle nochmals über die Runde, die Zuschauer klatschen, langsam kommt man wieder zum klaren denken, wie schon vorbei?
52km in 1:34 27. der Gesamtwertung

Bedanken möchte ich mich bei den Betreuern und Angehörigen, so oft habe ich meinen Namen an der Rennstrecke noch nicht gehört.

Auch die Unterstützung von Ursula und Helge vom Aktiv Hotel soll nicht unerwähnt bleiben.
Bis aufs nächste Jahr!

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