Als willkommene Abwechslung zu den RTFs bieten sich Jedermann-Rennen an. Eine schöne Veranstaltung waren auch in diesem Jahr wieder die Cyclassics in Hamburg. Diesmal wollte ich hoch hinaus, um später tief zu fallen und am Ende unter den Profis zu landen! ;-)Wie auch im letzten Jahr erstaunte es mich wieder, wie gut dieses Jedermann-Rennen mit 20.000 Teilnehmern organisiert ist. Diesmal stimmte auch das Wetter! Die Temperaturen am frühen Morgen und die Stimmung waren ideal und versprachen ein tolles Rennen.

Am Vortag spazierte ich mit Frau und Kind über die Messe, um vielleicht das eine oder andere Schnäppchen zu ergattern. Ein zehn Meter hoher Kran weckte die Aufmerksamkeit der meisten Besucher. An diesem Kran war eine Vorrichtung angebracht, um mit einem Fahrrad die zehn Höhenmeter zu überwinden. Als ein neuer Kandidat gesucht wurde, ließ ich mich nicht lange bitten. Angeschnallt, aufgesessen und los gings. Es ist schon ein komisches Gefühl, mit dem Fahrrad zehn Meter über den Boden zu schweben. Am Ende standen 18 Sekunden auf der Uhr. Ausreichend für einen zehnten Platz. Immerhin. 🙂

Am Renntag hieß es früh aufstehen. Ab 07:20 Uhr konnte man sich in seinem Block aufstellen. Und pünktlich um 07:20 Uhr bin ich in die zweite Reihe geflitzt. Im letzten Jahr bin ich noch aus dem letzten Block gestartet, diesmal war es immerhin Block B. Fünf Minuten nach dem Start von den VIPs und Block A ging es dann auch für uns los.

Die ersten Kilometer waren eng, viele Kurven, gefährliche Stellen. Ich befand mich unter den ersten 40 Fahrern, als vorne links von mir ein Fahrer stürzte. Dann ging alles sehr schnell. Wie Domino-Steine legte sich ein Fahrer nach dem anderen hin. Der letzte säbelte mir das Vorderrad weg. Die nachfolgenden Fahrer stürzten über mich.
Nach der kurzen Schrecksekunde betrachtete ich mein Fahrrad. Der Lenker stand auf halb-acht, die Vorderbremse ließ sich nicht mehr lösen, die Kette war runter, die Trinkflaschen auf der Strasse verteilt. Mein Bein ließ sich noch bewegen, also drehte ich den Lenker so in etwa wieder in Stellung, öffnete die vordere Bremse und weiter gings.

Mit einem Puls von >170 versuchte ich wieder an die Spitze zu fahren. Natürlich war schon eine erste Gruppe davon gefahren, aber immerhin schaffte ich es noch in die zweite Gruppe zu kommen.
Leider harmonierte diese Gruppe nicht besonders gut. Ein, zweimal versuchte ich mit einem Mitstreiter wegzufahren, wir hatten aber keine Chance. Also ergab ich mich meinem Schicksal und fuhr mit der Gruppe mit. Beeindruckt haben mich zwei Tandemfahrer, die locker nicht nur das Tempo mitfahren konnten, sondern auch öfters in den Wind gingen. Respekt!

Die Stimmung an der Strecke und im Ziel war fantastisch! Immer wieder feuerten uns radsportbegeisterte Hamburger zu. Die letzten Kilometer versprühten eine Gänsehautatmosphäre. Ich versuchte ein letztes mal wegzufahren, wurde dann aber von einer kleinen Gruppe von hinten überrollt.

Am Ende habe ich mich trotz des Sturzes immerhin um fünf Minuten zum Vorjahr verbessert und kam für die 100km mit 02:26:30 auf Platz 228 (AK 122). Unter den gegebenen Bedingungen war das für mich ein sehr gutes Ergebnis mit Luft nach oben fürs nächste Jahr. 🙂

Nach dem Zieleinlauf ließ ich erst einmal meine Wunden vom Sturz von einem Notarzt behandeln. Offensichtlich bin ich dann falsch abgebogen. Als ich die Strecke weiter gefahren bin, um den Transponder abzugeben, befand ich mich in einer Gruppe mit Radfahrern und mir unbekannten Rückennummern. Der Pulk von Fotografen und der Sprecher, welcher die Mannschaften der Profis vorstellte, ließ mich dann erahnen, dass ich hier nicht richtig sein kann. Zügig wurde ich dann auf den Ausgang hingewiesen und habe mir das Geschehen noch etwas von draussen angesehen. Immerhin konnte ich mich so für einen kurzen Augenblick (fast) wie ein Profi fühlen! 😉

Wem der Weg nach Hamburg nicht zu weit ist und die Reise noch mit einem Kurzurlaub verbinden kann, auf den wartet sicher auch im nächsten Jahr eine tolle Veranstaltung, eine schöne Stadt und hoffentlich auch wieder ein sonniges Wetter.

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