Die Edermünder Runde findet in der Nähe von Kassel auf einem durchaus anspruchsvollen Rundkurs von sechseinhalb Kilometern statt, gespickt mit zwei knackigen Anstiegen und einem Hauch von Kopfsteinpflaster. Mit Edermünde hatte ich noch eine Rechnung offen, denn letztes Jahr trat ich dort während der Rekonvaleszenz von einer hartnäckigen Viruserkrankung an und wurde nach der Hälfte gnadenlos abgehangen. Ob es dieses Jahr besser geklappt hat? Nun, lest selbst…



Marc, Sebastian und Heiner vor dem Start
Vor dem Start traf ich endlich mal wieder Sebastian Precker aus Paderborn, einen Fahrer, den ich schon lange nicht gesehen habe. Das hieß von Anfang an gute Laune, denn als alter Crosser, steht Sebastian auf schnelle Starts und weiß auch sonst immer wieder, wie man ein wenig Unruhe erzeugt. Außerdem war Beate mit dabei, ich musste also was zeigen.

Nach dem Start geht’s kurz leicht bergan, dann eine Abfahrt hinab, schnell links und scharf rechts in den ersten Anstieg. Natürlich lassen sich die Fahrer nicht lange bitten und das Feld zieht sich lang. Dann eine Abfahrt, auf der man sich erholen kann und alles zusammen läuft, eine sehr lange Linkskurve und dann sehr scharf rechts über einen Brücke steil bergan und nach kurzem Geschlängel rechts und praktisch bereits auf die Zielgerade. Nur führt der erste Kilometer dieser Gerade munter den Berg hinauf und deshalb kam bestimmt keine Langeweile auf.

Immer wieder stoßen Fahrer voran, aus meiner Sicht völlig sinnlos, weil halbherzig. Also schön mitziehen lassen und die Jungs im Auge halten, die gut aussehen – und davon gab’s ne Menge. Aber so richtig passiert nichts, das ewige hin und her führt zu nichts und die Runden vergehen.

In der Siebten, drei Runden vor Schluss dann eine Attacke, auf dem ersten Bergabstück gehen drei Mann, hmmm, das sieht gut aus. Ein vierter hinterher, hmmmmmm. Die Runde wird zu Ende gefahren, die vier sind immer noch raus. Ich sage zum bergstarken Matthias Hoppe von Squadra Colonia „Wenn die unten noch raus sind, geh’n wir hinterher“. Und tatsächlich schaffen die vier, sich vorne zu halten. Ich attackiere über die Wellen vor der ersten Abfahrt, komme aber nicht weg. Matthias fährt drüber, Sebastian dabei und ich gehe auch mit, das Feld ist dran und in der Abfahrt ist alles wieder offen.

Ich will aber weg und positioniere mich vorn in der Spitze, es geht rechts hoch und ich sehe, dass die Fahrer langsam Schwäche zeigen. Wir sind im ersten Drittel von dem langen Berg, schnell zwei, drei Gänge dicker geschaltet und angelatscht, sofort ein Loch. Ich trete weiter und schaue kurz unter den Armen durch – ein verdammt großes Loch. Der Berg ist lang und es tut weh, endlich wird es flacher und es geht über Start und ziel. Ich höre den Steckensprecher weit hinter mir sagen „20 Sekunden nach vorn, 12 nach hinten“. Die Beine brennen, verdammt, der Wind ist heftiger als gedacht. Ich schaue mich kurz um, Sebastian bremst vorne im Feld und ich ziehe durch. Aber irgendwer fuhr dann im Feld weiter und im ersten Berg sehe ich, dass das Feld zu nahe kommt und nehme raus.

Das Laktat steht mir bis unter die Augen, aua. Sebastian zischt mir zu „Komm, hopp, weiter!“ und ich beiße. Nur bis oben, nur noch 200 Meter, dann geht’s wieder. Und es ging dann auch, ruhig atmen, geradeaus gucken, ganz ruhig. Die Abfahrt ist lang genug, ich spüre meine Beine wieder und dränge mich nach vorn. Die scharfe Rechts und wieder in den Berg. Aber es wird noch nicht Anschlag gefahren, der Berg ist dafür zu lang. Gut für mich, denke ich. An derselben Stelle wie in der Runde zuvor trete ich wieder an, schalte aber nur zwei Gänge hoch. Ich hoffe, es bleiben welche vorne, mindestens einer, der mich aus dem Wind nimmt. Aber keiner bleibt vorn und ich trete weiter. Es fährt keiner vorbei, na gut, dann zieh ich jetzt durch. Noch einen dicker und alles was geht. Es hängen nicht mehr viele dran, nur vier oder fünf. Die Beine brennen wie noch nie, es wird flacher und ich schalte weiter hoch. Mein Gott ist das weit, ich sterbe fast, ich drehe den Zwölfer, es ist die Hölle. Ich bin bereits fast an den Ausreißern dran und endlich taucht das Zielbanner auf. Jetzt kommt, was kommen musste, der erste beginnt den Zielsprint, zack der nächste und so weiter. Ich bin tot, kurzer Blick, ein riesen Loch, keine Gefahr. Über den Strich, jawohl, das muss reichen! Und tatsächlich reicht es noch, ich bin Zehnter. Wieder platziert aber mausetot, ich schnappe nach Luft und lege mich erst mal flach hin. Ich bin happy und falle Beate in die Arme, wunderbar!

So, die Revanche ist mir gelungen. Meine Attacke in der Vorletzten war nicht besonders schlau, aber zum Glück hat es doch noch gereicht. Ein Komet hat Anfang der Saison gesagt, ich wäre ein „Schisser“, vermutlich hatte er Recht. Ich hoffe, spätestens nach Edermünde muss ich mir das nicht mehr nachsagen lassen! 🙂

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