Straßenrennen gut und schön – aber warum nicht mal wieder Mountain-Bike fahren? Mit dem Tune-FRM-Cup, der mit insgesamt fünf Läufen in der Gegend zwischen Bonn und Siegen ausgetragen wird, bietet sich die perfekte Gelegenheit. Aber ein A/B/C-Rennen als mit Abstand ältester Teilnehmer (selbst die meisten Senioren I sind jünger als ich…) und das letzte mal im Januar auf einem solchen Stollenmonster gesessen, konnte das gut gehen?




Mit Vollgas über die Wurzeln
Zu allem Überfluss plagt mich seit Mittwoch eine fette Erkältung mit allem Drum und Dran (mit besten Dank an Petrus & Konsorten, was habt Ihr Typen eigentlich für ein Problem, dieses Jahr?), weswegen ich auch auf das Prämienhighlight in Oberhausen am Sonntag verzichtete. Nun ja, Start war erst um 14:00h und morgens ging es mir zum ersten mal wieder so, dass ich aus den Augen schauen konnte, weil ich nachts endlich wieder Luft bekam. Also Sachen gepackt und los gings.

In Betzdorf erwartet die Fahrer eine hervorragende Strecke: hammerschnell, technisch anspruchsvoll und zum Glück fast trocken. Die Organisation hervorragend, das Ganze war mehr Volksfest als Radrennen. Überall Familien mit Kindern auf Bikes, jede Menge Hersteller im Expo-Area und beste Laune allenthalben.

Am Start schnell noch ein bisschen mit den Rennleitern geshakert und damit in der Startaufstellung 10 Plätze nach vorne gerutscht, danke schön! Von 10 wird runtergezählt und dann knallt der Schuss. Auf geht’s ins 90minütige Einzelzeitfahren mit Massenstart. „Verstecken“ oder schön am Hinterrad lutschen gibt es hier nicht, Ausruhen erst recht nicht. „Mit Auge fahren“ kann man hier vergessen. Und um mich herum ausschließlich Teamfahrer, die derbe Dampf aufmachen. Schon nach einer halben Runde denke ich nur ans Aufhören, die sind ja alle total krank. Am höchsten Punkt der Strecke denke ich, jetzt wird schön runter gerollt und dann beruhigt sich alles aber nein, Pustekuchen. Statt dessen wird in die enge Singeltrail-Abfahrt eingebogen und weiter geballert. Immer weiter und weiter, was für eine Achterbahn. Und ich beginne mich zu fragen, ob ich nicht besser zu hause geblieben wäre. Aber wie durch ein Wunder kann ich technisch mithalten, daran lags heute wirklich nicht. Als Neunter beginne ich die zweite Runde und der WA zeigt an: noch sieben weitere zu fahren, das kann ja heiter werden.

Inzwischen tun mein Körper und mein Geist was sie zu tun haben – arbeiten und Schnauze halten. Die Beine brennen wie Hölle, der Rücken tut weh, weil er die Belastung gar nicht mehr gewohnt ist. Besonders schlimm ist ein kurzer steiler Stich mitten in der Abfahrt, direkt nach einer 90° Kehre. Hier höre bestimmt nicht nur ich die Englein singen. Man hat das Gefühl, man fährt geradewegs in den Himmel, so steil geht es bergan. Dann über unzählige Wurzeln, es rumpelt und schüttelt, das Rad springt hin und her, man will einfach nur noch sterben. Inzwischen bin ich Elfter und meine Rundenzeiten sind erstaunlich konstant. Dank an die Jungs von Velo-Solingen, die mir, wie verabredet, die dringend nötige kalte Cola reichen. Ihr habt mir echt geholfen!

Ich rotze und schnaufe, weil die Nase dicht ist, die Qualen werden schlimmer, immer am Limit immer gut 10-15 Herzschläge über der Schwelle, immer weiter. Nur noch drei Runden, die schaff ich auch noch. Ich motiviere mich, keine Sekunde nachzulassen. Eigentlich sind MTB-Rennen richtig geil, wenn irgendwann alles wie im Fluss zu laufen scheint, wenn man mit dem Rad über die Strecke schwebt, wenn alles passt. Heute passte es aber nicht wirklich gut und so hieß es von Kilometer zu Kilometer das Beste daraus zu machen.

Noch zwei Runden, ja, es wird reichen. Dann die letzte Runde, die Zuschauer sind eine Sensation, der Streckensprecher peitscht die Menge an, ich fahre an einer nicht enden wollenden „La Ola“ vorbei, ich werde fast taub, so laut schreien die Menschen. Nur noch 5 Kilometer, nur noch zwei Berge. Die Reifen kleben am Boden, es rollt nicht mehr besonders. Ich huste mir einen zurecht, dass ich Angst kriegen würde, wenn ich nur Zeit dafür hätte – hab ich aber nicht. In die Abfahrt, die fiese Wurzelpassage, durch das Kurvenlabyrinth auf die Zielgerade und es ist geschafft. Die Menge feiert jeden Fahrer wie den Sieger. Wahnsinn! Ich bin immerhin Zwölfter, das ist ganz OK. Damit reihe ich mich hinter neun A- und zwei B-Fahrern ein und lasse noch einige B’ler hinter mir. Gern hätte ich weiter vorne mitgemischt, aber heute war wirklich nicht mehr drin, beim allerbesten Willen nicht.

Jetzt heißt es gesund werden und aufs nächste Wochenende mit schönen Rennen freuen. Der nächste Lauf zum Tune-FRM-Cup findet dann Ende Juli statt. Dann aber bitte mit einem Ergebnis weiter vorne!

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