Eine RTF im bergischen Land verspricht eine schöne Strecke und viele, viele Höhenmeter. Trotz des absehbaren April-Wetters hatte ich mir vorgenommen, am Vatertag mich dieser Herausforderung zu stellen. Am Wochenende zuvor hatten wir uns für 09:00 Uhr am Startort in Burscheid verabredet.

Doch schon am Vorabend fing mein persönlicher Wettbewerb an.Mit Kollegen besuche ich diverse Gaststätten. Der Vorsatz, im Hinblick auf die morgige RTF im bergischen Land, möglichst wenig Alkohol zu konsumieren, weicht der harten Realität.

Morgens um vier Uhr nach Hause gekommen finde ich einen Zettel auf den Küchentisch. „Frank heute Abend anrufen, wegen einer Sternfahrt!“. Sternfahrt? RTF? Ach ja, da war doch was. Zum Anrufen ist es zu spät. Ich werde die Kometen schon am Startort treffen.

Drei Stunden später klingelt der Wecker. Noch etwas benommen schraube ich mein Rad zusammen und trinke die erste von mehreren Tassen Kaffee. Der Kaffee will einfach nicht seine Wirkung abgeben, ich sehe aus dem Fenster und bemerke das wirklich „schöne“ Wetter. Meine Motivation schwindet. Aber versprochen ist versprochen. Immerhin habe ich zugesagt, um 09:00 Uhr am Startort zu sein.

Die Uhr zeigt 08:30, als ich hektisch alles im Auto verstaue und der alten Kiste das Maximum an Leistung abverlange. Immerhin 140 km/h auf der Autobahn. 20 Minuten später schaffe ich es tatsächlich nach Burscheid. Dick eingepackt, Schuhe angeschnallt und los geht es zur Anmeldung.

Ah – ein Komet, höre ich als ich den Raum zur Anmeldung betrete. Ich bezahle meine drei Euros und erfahre, dass ich bisher der einzige Kometenfahrer bin. Macht nix, die anderen kommen gleich, denke ich und hole mir den Startstempel ab.

Am Start sammeln sich mehrere Fahrer für ein Foto für die Presse. Natürlich bin auch ich bereit, Modell zu stehen! 😉 Es ist bereits 09:10 Uhr, ich denke die Kometen haben sich entweder verfahren, sind bei dem schlechten Wetter doch zu Hause geblieben oder holen mich später wieder ein. Also starte ich mit den anderen Fahrern – in die Kamera lächeln und los geht’s.

Bei den ersten Metern merke ich die Nachwirkungen meiner Ecksesse am Vorabend. Die Beine sind schwer, sehr schwer. Im Kopf hämmerts. Und irgendwie komme ich nicht in den Tritt. Bei der Abfahrt zum Altenberger Dom treffe ich Rob. Rob fährt ein Tempo von 32. Das ist für mich in meinem Zustand recht flott, aber irgendwie komme ich mit. Rob kommt gebürtig aus Kanada und erzählt mir von seiner radsportbegeisterten Familie. Ich lasse mir ein paar Tipps geben, wie ich meine Kleinfamilie ebenfalls vom Radsport überzeugen kann. Mein kleiner Sohn ist zwar erst 20 Monate alt, aber ich will hier nichts anbrennen lassen. 🙂

Es fängt an zu nieseln. Kein Problem, sagt Rob, bei der Hinfahrt hat er einige helle Stellen am Himmel gesehen. Sogar Sonnenschein!?? So erreichen wir die erste Kontrolle. Neben den üblichen Eierwaffeln gibt es Gummibärchen zur Stärkung. Dankend greifen wir zu und es geht weiter. Ich ziehe die Regenjacke an und bin einige Minuten später glücklich darüber. Denn mittlerweile wird der Regen dichter. Bei der Streckentrennung zur 73km Tour fragt mich Rob, ob ich mit ihm weiterfahre oder abbiegen möchte. Natürlich fahre ich weiter. Ich fühle mich zwar noch immer ein wenig mies, meine Klamotten sind triefend nass, aber ich will auch keine Blöße zeigen.

Mit uns haben sich nur wenige Fahrer bei dem Wetter auf die Strecke getraut. Später erfahre ich, dass ca. 135-140 Fahrer an dem Tag die vier verschiedenen Touren, von 42km bis 152km in Angriff genommen haben. Sonst sind es in den letzten Jahren immer um die 1000 Fahrer gewesen. Schade, denn die Strecke und die Organisation ist wirklich klasse! Der Dauerregen lässt die Freude über die schöne Landschaft und den heutigen geringen Verkehr aber etwas schwinden.

Bei der nächsten Kontrolle werden wir gefragt, ob wir noch auf die 152km Strecke wollen, da diese nach uns gesperrt werden würde. Will ich nicht! Wirklich nicht. Ich oute mich gegenüber Rob. Zu meinem Glück hat sich auch Rob um entschieden und geht mit mir auf die 112km.
Bei der letzten Kontrolle wringe ich meine Handschuhe aus. Mit dem Wasser hätte ich den Bodensee problemlos füllen können. Irgendwie fühle ich mich etwas durchnässt. Statt der Gummibärchen nehme ich mir eine Banane zur Stärkung und weiter geht es auf die letzten 18km.

Rob gibt noch einmal richtig Gas und ich habe Probleme, dran zu bleiben. Woher nimmt der Mann nur diese Motivation? Froh und glücklich, endlich am Ziel angekommen zu sein, gehe ich direkt duschen. Bloß keine Erkältung einfangen. Ich gebe meine Stempelkarte ab und erfahre, dass ich der einzige Komet heute geblieben bin. Wo ward Ihr, Jungs? Ich würde sagen, dass kostet mindestens eine Runde Kölsch! :*)
Aber davon hatte ich am Vorabend genug. Also greife ich bei der großen Auswahl an Kuchen zu – und das reichlich. Eine kleine Belohnung muss sein! 🙂

Die Strecke ist wirklich schön und empfehlenswert. Hoffentlich haben wir im nächsten Jahr besseres Wetter. Ein Dankeschön an Rob. Ohne Rob wären mir die 112km wirklich sehr lange vorgekommen.

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